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Radio Goethe interview with Paul

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Date: August 1998
Source: Radio Goethe
Interviewed: Paul

Interview

Radio Goethe:In Deutschland spielt Ihr in den größten Hallen und Stadien und hier in kleinen Clubs. Wie ist das für Euch? Landers:Das sieht jeder anders. Mir persönlich ist die Größe des Clubs egal. Ob Du jetzt in einem Monsterstadion spielst oder in einem kleinen Club, das hat mit dem Spaß an der Sache nichts zu tun. Das kann genau so beschissen sein, vor wenig Publikum zu spielen. Also wenn die Leute das Konzert gut finden, muß das nicht unbedingt heißen, daß die Band das auch gut gefunden hat. Kommt selten vor, daß sich beides trifft.

Radio Goethe:Wie sind Eure Erfahrungen auf dieser Amerikatour? Landers:Unglaublich. Wir hätten hier schon mal früher herkommen müssen. Das geht so einfach. Hier wird an Stellen geschrien, wo in Deutschland noch nicht mal mit den Augenbrauen gezuckt wird. Komischerweise sind die Amerikaner offener, ein bißchen naiver, so wie große Kinder, nehmen nicht alles so bierernst, sind irgendwie nicht so anstrengend wie die Deutschen.

Radio Goethe:Was heißt das denn jetzt? Landers:Na, die Deutschen sind ein bißchen trantütig...sag mal, lesen das jetzt hier viele Deutsche... egal ich meckere mal noch ein bißchen. Die Amerikaner sind schneller zu begeistern, vielleicht sind sie auch schneller vergeßlich, aber für uns ist es viel einfacher hier zu spielen als wir dachten.

Radio Goethe:Ihr habt zwei Lieder zum David Lynch Film "Lost Highway" beigesteuert. Habt Ihr die Erfahrung gemacht, daß Euch das hier geholfen hat? Landers:Wir sind durch diese zwei Songs auf dem Soundtrack bekannter als wir dachten. Nee, bekannt sind wir nicht, eher bekannter. Wir dachten, hier kennt uns kein Schwein. Doch ein paar Leute kennen uns durch diesen "Lost Highway"-Soundtrack und auf "Mortal Kombat 2" sind wir auch drauf, wovon wir aber gar nichts wissen.

Radio Goethe:Es macht also nichts aus, daß Ihr Deutsch singt? Landers:Ich glaube, da hat überhaupt keiner ein Problem mit. Ist doch in Deutschland auch so. Niemand versteht eine englische Band live, es sei denn, du kennst die Texte. Man achtet eben auf andere Sachen. Es ist nicht unbedingt so, daß man Englisch singen muß, um in Amerika Erfolg zu haben. Es geht hier fast noch mehr ab als in Deutschland.

Radio Goethe:Ihr spielt allerdings schon mit Euren Texten und die gehen hier zweifellos verloren? Landers:Es gehen sicherlich ein paar Sachen verloren, doch du verlierst nicht nur, du gewinnst ja auch. Diese Textlastigkeit in unseren Liedern, und wir haben ja sehr gute Texte, wird ein bißchen zugunsten der Musik zurückgeschraubt. Anscheinend tut es der Sache keinen Abbruch. Wir waren ja auch auf Europatour. In Barcelona sind die an die Decke gesprungen, obwohl sie kein Wort verstanden haben. Sangen aber immer mit "Du hast, du hast mich". Machen wir doch auch immer bei englischen Bands. "Smoke on the water" von Deep red habe ich auch lange nicht gewußt, was das ist. Ich dachte, da raucht jemand.

Radio Goethe:Als ich Euch das erste Mal gehört habe, meinte ich, daß Ihr sehr viel Laibach und sehr viel Krupps gehört habt. Landers:Das ist meistens, was die Leute zuerst sagen. Stimme Laibach, Musik Krupps. Damit mußten wir uns abfinden. Wir haben diese Musik nicht erfunden, aber wir haben nie jemanden kopiert. Wir mögen die beiden Gruppen, aber wir mögen auch noch mehr. Ich höre auch Abba. Wir wirken auf der Bühne anders als die Krupps, sind nicht so theoretisch wie Laibach. Wir sind mehr eine Band als so ein Kunstprojekt. Es gibt Bands, die haben ohne Musik Erfolg, wie Marilyn Manson. Ein gutes Lied, der Rest geht, aber das Image ist wichtig. Man muß heutzutage frech sein.

Radio Goethe:Eine Verständnisfrage. Seid Ihr aus den Skeptikern oder den Inchtabokatables hervorgegangen? Landers:Das ist ganz verworren bei uns. Wir waren so eine Art Skeptiker, Feeling B hießen die, wir waren aber ein bißchen lustiger als die Skeptiker. Die waren ja eine bierernste Zeigefinger Punkband. Unser Bassist kommt von den Inchties und dann waren noch ein paar Bands mit in diesem Kreis, doch die kennt keiner.

Radio Goethe:Ihr werdet immer ein bißchen als Ossiband gesehen. Nach dem Motto, der Osten schlägt zurück... Landers:Freut mich, aber so schlimm ist es nicht. Wenn es uns anhängt, habe ich es noch nicht gemerkt, aber wir haben kein Problem aus dem Osten zu sein. Im Gegenteil, ich bin richtig stolz darauf. Wir sind aber eigentlich nicht typisch deutsch und auch nicht typisch Osten. Wir waren auch zu Ostzeiten nicht die typischen Ostler.

Radio Goethe:Ihr fallt aber mit Eurem Sound auf unter den Ostbands. Karat, City, Puhdys und jetzt Rammstein. Landers:Wir sind ja auch eine Westband in dem Sinn, daß wir uns erst drei Jahre nachdem die den Osten überfallen hatten gegründet haben. Rammstein ist so eine Art Antwort auf den Westen. Das läuft nicht so bewußt, aber wir haben auch nicht gewußt, wie gut wir sind, als wir angefangen haben. Das merken wir jetzt erst langsam, wieviele schlechte Bands es gibt, auch hier in Amerika. Hier spielt man einfach mit stumpfem Gesicht, wir zappeln ein bißchen auf der Bühne rum, zünden etwas an und alle freuen sich darüber. Du merkst schon, ich bin jetzt gerade auf dem Höhenflug. Ich muß Dir mal unseren Bus zeigen, der sieht aus, wie ein fahrendes Bordell, so mit Leuchtreihen um die Sitze, Kronleuchter an der Decke und so ein Schmonz.

Radio Goethe:Woran meinst Du liegt es, daß Ihr mit Eurer Mischung aus Heavy Metal und Industrial so erfolgreich seid? Landers:Es liegt auf keinem Fall an der Musik, denn es gibt Bands, die das besser machen und keinen Erfolg haben. Ich rede viel mit unseren Fans und frage immer, "woher kennst du uns?" Von 100 Leuten antworten 99, daß sie unsere CD bei einem Freund gehört und das gut gefunden haben. Also liegt es doch an der Musik, merke ich gerade. Die Leute werden aber bei unseren Konzerten nicht enttäuscht. Auch wenn wir nur halbe Kraft spielen, nach außen hin merkt das keiner. Wir haben nie schlechte Konzerte gemacht und immer in die Show investiert. Auch als wir noch kein Geld hatten, haben wir schon mit Raketen auf der Bühne rumgepopelt. Wir haben immer sehr viel wert darauf geleget, daß man bei unseren Konzerten nicht enttäuscht wird. Wir dachten uns, es gibt genug schlechte Bands, laß uns eine machen, wo man sich freut hinzugehen.

Radio Goethe:Ihr habt allerdings auch dieses "Böse-Buben-Image" und das pflegt Ihr? Landers:Das haben wir aber auch aus Versehen, weil wir am Anfang nicht im Traum daran gedacht haben, daß das jemand gut finden würde. Das war so, wie wenn Du besoffen im Kreise Deiner Freunde sitzt und ferkelige Witze erzählst, dann denkst Du erstmal an den Abend. Wenn du dann dieselben Witze ein Jahr später im Radio erzählst, ist das alles ganz anders. Wir wollten einfach "Trash" machen. Hinzu kam, daß unsere Frauen uns verlassen hatten, also es war am Anfang wie eine zweite Geburt.Wir hatten den Rücken frei, haben uns ein Jahr lang jeden Tag getroffen, Hackfleischfrühstück gehabt. Das war so eine Art Geburt.

Radio Goethe:Wie geht es für Euch weiter? Landers:Wir versuchen einfach unsere Schmierenkomödie weiter aufzuführen. In Amerika passiert derzeit das gleiche mit uns, wie in Deutschland vor drei Jahren. Ich weiß auch nicht genau warum, aber das ist wirklich wie ein Lottogewinn. Wir haben nicht den ganzen Streß, den andere Bands haben.

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