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Berliner Zeitung interview with Flake

Information

Date: December 2, 2002
Source: Berliner Zeitung
Interviewed: Flake

Interview

Alle kennen Rammstein, Deutschlands Rockexport Nr. 1. Kaum einer kennt Feeling B, zumindest im Westen. Denn Feeling B war "DDR-Underground" - und die Keimzelle von Rammstein! Gleich drei Rammsteiner spielten bei den Ost-Punkern: Gitarrist Paul Landers, Keyboarder "Flake" Lorenz und Schlagzeuger Christoph Schneider.

Feeling B wandelte auf einem ganz eigenen Pfad zwischen Chaos und Genialität und wurde dabei, wie Rammstein, nicht immer richtig verstanden. Jetzt gibt es das Buch zur Band: "Feeling B - Mix mir einen Drink" von Ronald Galenza and Heinz Havemeister (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 24,90 EUR.). Über dieses aufregende Stück DDR- Musikgeschichte sprach die BZ mit Keyboarder "Flake."

Interviewer: Habt Ihr nie auf Englands Punkszene geschaut?Flake:Wir haben nicht mal über die Grenzen unseres Probenraums hinausgeblickt. Wir haben einfach unseren Schei... - äh, also wir haben gedacht, das, was wir machen, ist gut. Wir wussten gar nicht, dass London eine Punk- Stadt ist.

Interviewer:Und Deutschland-West?Flake:Wir kannten die Neue Deutsche Welle. Unsere Lieblingsband war Ideal. Aber die wurden von West-Punks als "Kommerz- Schweine" beschimpft. Als wir von Ideal "Komm, wir lassen uns erschießen" hörten, war für uns klar - das ist Punk!

Interviewer:Habt Ihr viel geprobt?Flake:Wir sagten: Wer übt, der kann nichts oder fällt den Kollegen in den Rücken. Wir wollten nicht so werden wie Karat oder die Puhdys, die technisch sehr gut waren, aber völlig uninspiriert.

Interviewer:Gab es den Etablierten gegenüber ein Feindbild-Denken: Die da oben, wir hier unten?Flake:Erst gab es das. Aber sobald man die kennen lernte, löste sich das auf.

Interviewer:Dein größter Schock im Westen?Flake:Die Menschen: selbstbewusster, leistungsorientierter, ehrgeiziger. Da kam man nicht mit klar. Die meisten, mit denen wir bei Rammstein auch heute noch zusammenarbeiten, sind Ostler. Natürlich verwischt sich aber auch vieles nach zehn Jahren gemeinsamen Lebens.

Interviewer:Glaubst du, dass ihr beide, Paul und Du, Euch verändert habt?Flake:Ich hoffe nicht. Man kann uns nicht versauen.

Interviewer:Kannte Feeling B Karrieredenken?Flake:Nee. Plattenverkäufe waren uns egal. Ob 40 oder 40000 Stück - das hätte keinen Unterschied gemacht. Wir hätten nach dem Ostprinzip keinen Pfennig mehr verdient. Wir waren zufrieden mit unseren Fans, wollten uns gar nicht weiter aufdrängen.

Interviewer:Wart Ihr ein Unikum?Flake:Es gab viele Bands wie uns. Aber kaum eine konnte so schlecht spielen. Entscheidend für uns: Nicht der Musiker und sein Instrument waren wichtig, sondern die Verwirklichung von Ideen.

Interviewer:Konzertabbruch war die Regel. Waren Dir manche Auftritte peinlich?Flake:Fast alle. Na ja, ich war nicht immer glücklich. Aber dann trinkt man ein paar Bier, dann ist alles wieder gut. Danach war Party, dann vergisst man das. Ein Konzert war im Prinzip die Eintrittskarte für das Leben.

Interviewer:Wer waren Eure Fans?Flake:Die ersten fünf Jahre haben wir oft vor Publikum gespielt, das nicht unseres war, z. B. in Diskos. Mit nur wenigen Punkern, die uns kannten. Zum Schluss waren wir schon fast 'ne ganz normale Band. Deshalb haben wir auch aufgehört.

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